Pilotensicherheitstraining PDF Drucken E-Mail

Flugsicherheitstraining 2006 in Kyritz

Fit bleiben als Pilot - dieser Grundsatz gilt für jeden, der regelmäßig Luftfahrzeuge bewegt. Unsere Motorflieger nutzen dazu auch die Angebote anderer Vereine, wie hier die Teilnahme zweier Piloten am Flugsicherheitstraining am Flugplatz Kyritz.

Auf Grund ihrer sehr positiven Erfahrungen mit über den DAeC organisierten Sicherheitstrainings absolvierten auch in diesem Jahr Eugen Hügle und Michael Klob auf der Vereinsmaschine  D-ECQH ein dreitägiges Schulungsprogramm.

Tag 1 - Auf nach Kyritz

Los ging es am Freitag, 29.04.05 von Lichtenfels nach Kyritz (EDBK) in Brandenburg. Gerade noch rechtzeitig vor einer Warmfront, mit ergiebigen Regenfällen, starteten wir auf der 04 und konnten, dank 15 – 20kt Rückenwind den Brandenburger Kursflugplatz bereits nach gut eineinhalb Stunden erreichen. Wie in den neuen Bundesländern häufig der Fall, handelte es sich um einen ehemaligen Militärplatz, der nun unter Verwaltung der 10.000 Seelengemeinde Kyritz steht. Neben 1000 Metern Grasbahn stehen dort ebenfalls 1000 Meter Asphalt zur Verfügung. Tower, Hangar, Grünflächen, ein LTB und die Flugschule ARDEX mit Kasino und Übernachtungsmöglichkeiten, alles vom Feinsten.  

Dem freundlichen Empfang folgte ein Transfer zum Tagungshotel, Schloss Karnzow, in traumhafter Lage 10km entfernt, am sog. Obersee gelegen.  Topp restaurierte Zimmer mit Seeblick und der lokale Gerstensaft Marke „Mord und Totschlag“ sorgten für gute Laune beim Eröffnungsbriefing mit anschließendem Buffet. Bereits um 8 Uhr verließen wir am Samstag das Domizil in Richtung Flugplatz und freuten uns bereits auf die bevorstehenden Flugaufträge und Gefahreneinweisungen. Der Blick durch die Windschutzscheibe offenbahrte CAVOK somit konnten wir nach einem einstündigen Briefing in den Räumen der Flugschule ARDEX, eingeteilt in verschiedene Gruppen, unsere Fluggeräte startklar machen. Uns wurde der 31jährige Fluglehrer Thorsten zugeteilt. Da Eugen in diesem Jahr vor der Scheinverlängerung steht hatten wir beschlossen, dass er die meisten Streckenflüge übernimmt. Somit startete er in den blauen Morgenhimmel, Richtung Berlin. Der Auftrag lautete den kontrollierten Luftraum von Berlin nach CVFR-Regeln zu durchfliegen und über Tegel den Alexanderplatz, Funkturm und Regierungsviertel einen Low Approach auf Tempelhof zu absolvieren.  Die Lotsen erwiesen sich als super nett und hilfsbereit. Nach etlichen Frequenzwechseln ging es über den Pflichtmeldepunkt „Whiskey 1“ und Potsdam wieder nach Nord-Westen zur Landung in Kyritz.  Dort bestand die Möglichkeit mit einer kunstflugtauglichen Robin, unter Anleitung eines erfahrenen Kunstflugpiloten, Trudelübungen mit eigenständigem Ausleiten durchzuführen.  Ein besonderes „Highlight“ war das Fliegen einer Cessna mit simuliertem Ausfall der Steuerorgane. Der Pilot, Verfahrentrainer und Psychologe Detlef entwickelte eine Technik die Maschine durch öffnen der Türen um die Hochachse, durch Pitch und Trimmung um die Querachse und durch den Propellerdreheffekt um die Längsachse zu steuern. Zum Erstaunen der Teilnehmer gelang es wirklich mit diesen Mitteln den Platz wieder zu erreichen. Ein wenig kurios sahen die Flugbewegungen einer 152er mit geöffneter Tür schon aus.  

Ich nutzte das Angebot eine auf Turbine und Floats umgerüstete Cessna 206 von der Überwinterung auf dem Flugplatz Güstrow in den nahe gelegenen Plauer See zu überführen. Der Fluglehrer Jens Eisenreich brachte zwei Teilnehmer und mich per PKW nach (EDCU) und übergab uns der Obhut seines Freundes, der durch Agrarfliegerei und permanente Flugaktionen mehr als 19000 Flugstunden in diversen Flightlogs stehen hatte.  Nach einem ausführlichen Preflight check und Erklärungen im Handling einer Turbine ging es etwas holprig in die Lüfte. Trotz 450Ps kämpfte die Cessna doch merklich gegen den durch die Floats erhöhten Luftwiderstand und das Mehrgewicht. Bei spiegelglattem Wasser erfolgte erst ein Überflug der Landefläche im Plauersee, auch um eventuelles Treibgut zu sichten.  Aus der Perspektive des Copiloten gelang es mir kaum, bei derartig ruhiger Wasseroberfläche“ die Landehöhe abzuschätzen. Ein abrupter Ruck verbunden mit der enormen Bremswirkung von Flüssigkeiten machte deutlich, dass wir jetzt in einem Flugboot unterwegs waren.  Nun folgte eine Startdemo bei der erste ein Schwimmer „angehoben“ werden musste um den Adhäsionskräften des glatten Wassers zu entfliehen und Fahrt aufzubauen.  Nach einer weiteren Runde über den See landeten wir vor einem Anleger und machten die Maschine dort fest. Die nächsten Monate werden vom Plauer See aus Rundflüge angeboten. Ein sicherlich nicht alltägliches Angebot in Deutschland.  Nachdem uns Jens wieder in Empfang genommen hatte ging es über die Autobahn nach Kyritz zum Schloss zurück.  Beim nachfolgende Debriefing im Tagungsraum des Schlosses zeigten sich nur zufriedene Gesichter und bis in den späten Abend wurden noch allerlei „Avgasgespräche“ auf der Terrasse unter den Kursteilnehmern geführt.  

Tag 2 - Auf nach Polen (Szczecin)

Nach ausgiebigem Frühstück erfolgte pünktlich um 8 Uhr die Fahrt der Kursteilnehmer zum nahe gelegenem Flugplatz. Heute stand ein Flug nach Polen und zwar Szczecin Goleniow (EPSC) an. Wir wurden ausführlich über die Besonderheiten des Polnischen Luftraumes informiert, füllten unsere Flugpläne aus, berechneten die Kurse und Überflugzeiten und schon konnten wir unsere Rocket von den Ketten befreien und checken.  Diesmal flog ich den ersten Part bei ausreichenden Sichten und stabilem Luftdruck. Thorsten war von der Steigleistung unserer Vereinsmaschine sichtlich beeindruckt und stellte später einige Navigationsaufgaben. Die gigantische Seenlandschaft von Mecklenburg Vorpommern lässt sich sicherlich erst aus der Vogelperspektive erfassen und der Überflug des Müritzsees erinnert schon fast an eine kleine Kanalquerung.  Wir machten eine Zwischenlandung in Neubrandenburg (ETNU). Dort erwarteten uns 2293 Meter Asphalt und ein fast menschenleerer Flugplatz mit kompletter Infrastruktur. „Mit Lärmschutzzeugnis, Sechs Euro zweiundziebzig“ ich traute meinen Ohren fast nicht als ich die Landegebühr aufgerundet auf den Tresen legte. Auf in die Neuen Länder! Das nenne ich Service, dafür bekommt man in mancher Großstadt noch nicht mal einen Parkplatz.  Gestärkt durch Kaffee und Kuchen verließen wir die Abfertigungshallen und tauschten den Pilotensitz. Eugen hatte sich auf das Leg nach Heringsdorf (EDAH) vorbereitet. Über Whiskey und das Stettinger Haff erreichten wir den Platz und meldeten uns beim Zoll. Dann entstand etwas Hektik da unser Flugplan eine unbeabsichtigte Zeitänderung erfahren hatte. Also sofort wieder Rausrollen, starten und Richtung Südost die Freigabe für den Polnischen Luftraum einholen. Die Kommunikation mit den Polnischen Lotsen erwies sich als gar nicht so schwierig und die englischen Standardphrasen wurden beiderseits verstanden. Auch in Stettin erwartete uns eine gigantische Asphaltbahn mit 2500 Metern Länge. Professionell mit „Follow me car“ wurden wir zum Abstellplatz gelotst und vom Marshaller eingewunken. Die Handlinggebühr von umgerechnet 25.-€ war dann auch entsprechend. Nach kurzer Fahrt in das Hauptgebäude folgte eine einstündiges Martyrium im Controlraum des Flugplatzes. Die zuständige Dame tippte im Einfingersystem und mit Engelsgeduld alle Daten in den Rechner. Der Spaß kostete noch einmal umgerechnet ca. 30.-€ Landegebühr.  Kein Wunder also, dass so mancher Polenwitz unter den sich langsam sammelnden Kursteilnehmern die Runde machte.  In lockerer Reihenfolge flogen wir nach Flugplan wieder zurück zu unserem Standort nach Kyritz.  Bei Wittstock überflogen wir das ehemals größte Schießgebiet Europas, auf dem seit Abzug der Russen langsam wieder Grün sprießt. Die Spritberechnungen passten genau, wir hätten noch für 45Minuten Reserve gehabt. Leise gluckernd füllen sich die Flächentanks der Cessna mit dem kostbarem Nass. Dann noch die Scheibe gereinigt, das Bordbuch nachgetragen, über den Rasen gerollt und an die Kette gelegt. Man weiß ja nie was das Wetter sich über Nacht so einfallen lässt.  Das heutige Debriefing begann mit einem illusteren Vortrag vom Flieger-Psychologen Detlef über Crew Resource Management. Am Beispiel eines über Afghanistan angeschossenen Airbusses, mit komplett ausgefallenen Steuern, erklärte er einleuchtend wie menschlicher Wille kombiniert mit Koordination und Sachverstand schier unmögliches möglich machen. Die Maschine wurde von den drei Crewmitgliedern nur durch asymetrischen Schub und Pitch zurück zum Startplatz gesteuert und notgelandet. Wahrscheinlich hat ihn der zugehörige Videoclip zu seiner „Tür auf – Tür zu“ Steuerung der Cessna animiert.  Seinem Vortrag folgte eine Einführung für den am Montag geplanten Besuch des zivil- und militärisch genutzten Flugplatzes Rostock-Laage (ETNL). Wie schon in den Trainings der vergangenen Jahre empfohlen, können Militärplätze in Notlagen über die einheitliche Funkfrequenz gerufen und für Präzisionsanflüge genutzt werden. Das Flugzeug wird dann förmlich vom Himmel gesprochen. Ein sehr netter Oberleutnant klärte alle Teilnehmer über die Besonderheiten des Platzes auf und demonstrierte einen Precision Approach aus der Sicht des Lotsen. Den Abend rundeten noch eindruckvolle Bilder über seinen mehrmonatigen Einsatz auf dem Flughafen von Kabul ab.  Auch der Montag versprach durchweg gutes Flugwetter. Wir bekamen einen neuen Fluglehrer zugeteilt, da Thorsten wieder seinem Hauptberuf bei der Viktoria-Versicherung in Berlin nachgehen musste. Thomas erschien auch noch recht jung, hatte aber bereits 15 Jahre Flugerfahrung als Militärpilot auf der Transall. Wie gewohnt folgte dem Briefing die Flugplanung und Eugen hatte den Vortritt beim Besteigen des linken Sitzes. Da unsere Cessna am stärksten motorisiert war, nahmen wir den Oberleutnant mit zurück und starteten zu viert. Mit einem Heading von 354° steuerte Eugen die Rocket über die Seenplatte direkt nach Rostock-Laage. Da inzwischen alle Teilnehmer den dortigen Controler mit der Bitte um einem Präzisionsanflug konfrontierten und dieser auch noch zwischen Funksprüchen in Englisch und Deutsch differenzieren musste, war er gezwungen nach dem Erstanflug die Maschinen Richtung Norden aus der Kontrollzone zu schicken. Somit kamen wir in den Genuss die Schiffe im Rostocker Hafen aus der Luft zu bewundern und den erneuten Anflug entlang der Mecklenburger Bucht durchzuführen. Dem zweiten Anflug folgte eine Full stop Landung mit ewigem Rollen auf den Taxiways zur Abstellfläche.  Mit einem Militärbus wurden wir ins Terminal gebracht und trafen uns beim Mittagessen mit den weiteren Teilnehmern. In zwei Gruppen hatten wir Gelegenheit den Tower zu besichtigen und in einem Hangar eine ausgemusterte MIG 29 zu bestaunen. Das Highlight des Platzes stellt sicherlich die dort stationierte Staffel des Eurofighters dar. Dieser wird aber noch weitgehend geheim gehalten und mehr als seine „Nase“ sahen wir nicht aus dem Hangar spitzen. Dafür entschädigte uns der Start zweier Phantom-Jäger die mit ohrenbetäubendem Getöse innerhalb von Sekunden im Blau des Mittaghimmels verschwanden. So vergingen ca. drei Stunden förmlich wie im Flug und wir wurden wieder mit Bussen zu unseren Flugzeugen gebracht. Jetzt hatte auch ich die Gelegenheit zwei Präzisionsanflüge durchzuführen. Da deutlich weniger Flugbewegungen stattfanden und die schlechte Sicht ja nur simuliert wurde gestaltete sich das Anliegen sehr entspannt. Ich vermied es bis zur Decision Altitude aus dem Cockpit zu blicken und fand mich exakt auf dem Gleidpfad über der Anfluglinie wieder.  Nach zwei Low approaches bedankten wir uns bei den Controllern und verließen die Kontrollzone Richtung Süden. Fast schon heimisch wirkte die spiegelnde Wasserfläche des Plauer Sees auf dem Rückflug nach Kyritz.  Dort zeigten sich mit Crosswinden von 10-15kt die ersten Vorboten einer nahenden Gewitterfront. Ich nutzte die Gelegenheit für zwei weitere Seitenwindlandungen, es war ja schließlich ein Sicherheitstraining.  Zurück am Boden betankten wir die Maschine und stellten sie sicherheitshalber im Hangar unter. Es folgte ein kurzes Debriefing und die Einladung zu einem Grillabend auf Schloss Karnzow. Leider mussten schon einige Kursteilnehmer die Rückreise antreten aber die Verbliebenen wurden erst durch einen Gewittersturm von der Schlossterrasse vertrieben.  

Tag 3 - Rückflug nach Lichtenfels

Am Dienstagmorgen hatte sich die Tochter des Flugschulenleiters freundlicherweise bereiterklärt uns um 9 Uhr zum Flugplatz zu fahren. Leider war die Front zwar über Nacht durchgezogen aber Dunst und Konvektionsnebel hingen über den Wäldern um Kyritz.  Wir verbrachten noch zwei Stunden in den Räumen von ARDEX und ließen bei PC-Met das Wetterradar nicht aus den Augen. Gegen 13 Uhr war es endlich so weit, die Sichten erlaubten ein Fliegen nach VFR und wir verließen den Platz Richtung Süden. Unterwegs säumten zwar einige lokale Gewitter die Strecke aber die Wolkendecke hob sich bis zum Thüringer Wald auf ca. 4000ft, was einen sicheren Überflug ermöglichte. Über Sonneberg verstaute ich die Anflugblätter unserer ausgewählten Ausweichflugplätze und nach weiteren zehn Minuten landeten wir sicher auf unseren 750 Metern Graspiste.  Alles in Allem wieder eine sehr gelungene Veranstaltung in äußerst angenehmer Atmosphäre, Prädikat „sehr empfehlenswert“. Mit ca. 12 Flugstunden auf der Vereinsmaschine auch eine lohnende Investition zum Erhalt der „Faszination Fliegen“.  

Michael Klob

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Lichtenfels Sonnenaufgang 05:36 Sonnenuntergang 18:53 Richtung 268.6° Höhe 7.8°

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